HOW TO SURVIVE IN A KITCHENETTE

HOW TO SURVIVE IN A KITCHENETTE – Plastikflaschen nose-to-tail

Spätestens nach meinem ersten Besuch auf dem Rialto-Markt habe ich mir abgewöhnt, in Hotels zu übernachten.  Kennst Du das? Über einen Freshmarket mit den herrlichsten Lebensmitteln zu spazieren, alles, einfach alles haben zu wollen und nichts kaufen zu dürfen, weil dein Zimmer keinen Herd hat? Seitdem versuche ich immer, Privatzimmer mit Kochgelegenheit zu finden.

Was ich immer mitnehme: mein Kochmesser, ein Schneidbrettchen, damit ich mir ersteres erhalten bleibt, ein sauberes Geschirrtuch in neutraler Farbe, weil ich schon tausend extrem geblümte aus aller Welt habe, und einen Sparschäler, der wirklich sparschält. Der hilft auch bei der Einreise in Länder, bei denen gerne mal das Gepäck kontrolliert wird – denn Attentäter schälen nicht spar. Neuerdings nehme ich übrigens auch ganz gerne einen Ingenieur mit, denn der biegt die besten Rührbesen und Fleischerhaken aus einem Drahtkleiderbügel. Aber zurück in die Küche.

Spätestens nach der ersten Mahlzeit, die über einen Tomatensalat hinausgeht stellst Du fest, dass von zwei nur eine Platte geht, der komplett interieurlose Kühlschrank hinten tiefkühlt und vorne plus zwölf macht. Wenn es eine Pfanne gibt, reicht sie höchstens für ein Spiegelei (schlecht, wenn man den Ingenieur mithat) und dass es ganz schön dauert, Omelettemasse mit der Gabel in Kaffeetassen in Etappen aufzuschlagen. So wird die von Dir gebuchte „fully equipped kitchenette“ in kurzer Zeit zu einer Lehrküche für Geduld, Arbeitsabläufe, Choreographie, Sparsamkeit, Lagerhaltung und Sauberkeit. Vielleicht ist es sogar das, was die Kitchenette eigentlich am Besten kann. Du würdest nichts lernen, wenn es keine Ameisen gäbe, die Dein Zimmer mit Dir teilen wollen, weil Du nicht gleich abgewaschen hast. Wenn es genug Rührschüsseln gäbe, eine Kelle sogar und Arbeitsflächen größer als DIN A 4. Du würdest nicht die Möbel umstellen, dein Trockenlager im Kleiderschrank einrichten oder Zitronen auf dem Nachttischchen arrangieren, als hätte das dekorative Gründe. Es wäre einfach nicht das Gleiche, denn Du würdest keine Meisterin der Improvisation, wenn alles da wäre. Auch was den Müll angeht. Leider sind die Länder mit dem frischen Fisch und Gemüse auch die mit dem meisten Plastik. Vieles kann man natürlich verpackungsfrei kaufen – bei Flüssigkeiten wird`s dann aber kritisch: wohin mit all den leeren Plastikflaschen?

Hier ein paar Ideen aus unserer aktuellen Lehrküche im Süden Montenegros:

Als Arbeitsgefäß für Dressings, Gemüse, Dein ganzes mis en place, zur Lagerung von Fonds. Zum Frischhalten Deiner Kräuter, hier mit serbisch inspiriertem Eintopf, passend in der unteren Hälfte einer Apatinsko-Bierflasche präsentiert, als Trichter, Seifenabtropfschälchen oder gar Passiermaschine – Du kannst sie in variabler Höhe herstellen, hier ein Fond aus den Frühstücksgarnelen für die Muscheln am Abend. Es ist übrigens ganz schön hier mit dem ganzen Fisch. Halbiere die Flasche und schneide vertikale Schlitze in den umgedrehten oberen Teil.

Als Anrichtering, damit Du auch auf den häßlichsten Tellern der Welt versuchen kannst, etwas schön zu präsentieren. Du wirst merken, dass es nicht möglich ist. Das ist eher eine Gelassenheitsübung, konzentrier Dich mal nur auf den Geschmack!

Als Schälchen für Nüsschen, Kekse und Oliven, als Löffel, wenn Du – wie wir – auf dem Hinweg in Hamburg Kaviar geschenkt bekommen hast und die Kitchenette nicht über Perlmuttlöffel verfügt. In ihrem zweiten Leben dann für den Joghurt am Strand oder auf dem Rückflug.  Als Wein-Kühler – dafür geht am besten die 2l Nikšićko-Flasche.

    

Als Ess-und Trinkgefäße für Festliches aller Art, hier mit unterschiedlichen Gadgets von selbstkühlend und windstabil bis erdbebensicher. Und natürlich als Windlicht, wenn Dir die Neonbeleuchtung auf dem Balkon nicht gefällt.

 

Wollt Ihr mal raten, von wem das erdbebensichere Modell ist?

 

 

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