QUITTENWETTER

Einkochen gegen die Depression

Über’s Wetter reden kann man immer dann, wenn einem sonst gerade nichts mehr einfällt. Mir fällt tatsächlich nicht viel ein in dieser grauen Jahreszeit, außer dass ich es immer noch nicht wirklich schaffe, sie zu vermeiden in dem ich temporär das Land verlasse. Die Jahre, in denen ich mich über die Winterzeit als Koch halbtot gearbeitet habe, hatte ich scheinbar keine Zeit dafür, denn Tageslicht war ohnehin ein unverschämter Luxus. Aber jetzt, wo ich so ein halber Büromensch geworden bin, ist sie wieder da: die Winterdepression.

Dezember

Was machen wir dagegen, außer wie wahngeistig auf dem Weihnachtsmarkt unser Geld auszugeben und schlimmen, richtig schlimmen Glühwein zu trinken? Man kann sich einkuscheln und Fernsehen, damit man ein bisschen stumpfer wird und kurz vergisst, wem man doch endlich eine Postkarte schreiben wollte und wen man gerade alles enttäuscht, weil man nichts auf die Reihe kriegt. Nicht mal lesen. Nicht mal Kinderbücher. Kochbücher gehen komischerweise fast immer. Daraus zu kochen klappt dann wieder eher selten, weil man ja in das graue Wetter müsste zum Einkaufen. Genug gejammert. Ich habe nämlich von meiner Mutter einen Beutel Quitten geschenkt bekommen. Vom Quittenbaum meiner Urgroßmutter Marie Margarete, der im Garten meiner Kindheit steht und sich leider so langsam von uns zu verabschieden scheint. Ich bin die vierte Generation, die die Quitten von diesem Baum isst. Auch wenn ich übers Jahr nicht oft an Quitten denke, entführt mich doch ihr Duft zurück in meine Kindheit, die ja meistens ganz schön war. In so einer depressiven Zeit wie dieser ist es wichtig, sich etwas Gutes zu tun, etwas das versöhnlich stimmt.  Blöderweise liegen diese Sachen bei der aktuellen Gemütslage immer verdammt nah an der Vergänglichkeit. Vielleicht sind es die letzten Quitten für immer. Wir haben alle eingekocht, gelb mit Safran als Kompott zum Käse, rot mit Balsamico und Lorbeer zum Wildschwein oder was auch immer uns in der Weihnachtszeit auf den Tisch kommt.

Drei Quitten

Weil sie irgendwie so schrecklich wertvoll sind, haben wir auch Kerngehäuse und Schale verwendet, um einen Quittensirup zu kochen. Ihr braucht hierfür wirklich nur diese beiden Zutaten und Zucker, plus ein paar Gewürze wie Du magst. Ich nehme gern Ingwer, Zitrone, etwas Zimt, Kardamom und Nelke. Aber auch Chili, Muskatblüte und Vanille sind super Quittenbegleiter. Setz alles mit kaltem Wasser bedeckt auf den Herd, lass es aufkochen und dann auf kleiner Hitze sirupartig einkochen. Heiß in saubere Gläser oder Flaschen füllen und gut verschließen. Bei etwa 300 g Zucker auf einen Liter Wasser ist der Sirup monatelang haltbar. Du kannst Ihn für Sorbets verwenden, über Vanille-Eis träufeln, in den Frühstücks-Joghurt rühren oder diese zwei Powergetränke mixen:

Quittenlimonade

Quitten-Limonade:

einen Schuss Sirup mit Saft einer Limette und optional einem Stück frischem Ingwer mischen und mit Sprudelwasser aufgießen. Sekt geht auch, wenn Du mal einen besonderen Aperitiv brauchst.

Heiße Quitte:

Saft einer Zitrone auspressen, mit Sirup mischen und mit heißem Wasser übergießen. Auch hier passt frischer Ingwer gut. Wenn’s richtig kalt ist, kann auch ein Schuss Arrak oder Rum dazu, gerade wenn Du das Getränk in der Thermosflasche mit auf Deinen Winterspaziergang nimmst.

Wenn wir Glück haben reicht unser Vorrat bis März. Im März hat meine Mutter Geburtstag, dann weiß man, dass es bald wieder wärmer wird. Haltet durch. Und schreibt endlich diese Scheiß-Postkarte!

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