WURST IST KEIN SPASS – über Achtsamkeit beim Essen

Der Mann, mit dem ich in einem Bett schlafe, kommt aus einer bergigen Gegend im deutschsprachigen Raum und spricht viel ordentlicheres Deutsch als ich. Seit wir zusammen sind, werde ich wieder mit Sachen fertig. Nicht fäddich, wie zuvor. Und womit ich fertig werde, damit kann ich was anfangen. Womit ich am Anfang nichts anfangen konnte, waren einige seiner Formulierungen, die ich erst verstehen lernen musste. „Das ist nicht ganz so sehr schön“ zum Beispiel bedeutet, dass etwas ganz, ganz schrecklich ist. „Das ist umsonst“ heißt nicht, dass es etwas gratis gibt, sondern dass die Aufregung über etwas ungesund und überflüssig ist. Am Beeindruckendsten aber ist, wenn etwas „kein Spaß“ ist. Auto fahren zum Beispiel. Es bedeutet nicht, dass Auto zu fahren keinen Spaß macht, sondern dass es etwas ist, bei dem man sich Mühe geben muss. Man muss es ernst nehmen. So ist auch Bier bei uns kein Spaß. Das wird nicht verplempert, sondern in Würde genossen. Und wehe, es wird nicht richtig angestoßen oder auch nur das kleinste Lackerl im Glas gelassen.

Kein Spaß: Eier

Einmal habe ich vom Spiegelei ein Mikropartikel in der Pfanne vergessen (einen „Fetzen“ hätte ich geschrieben, bevor wusste, dass das das Wort für Feudel ist) und fast einen Riesenärger gekriegt.  Weil Eier nämlich kein Spaß sind. Genauso wie Wurst. Wurst ist kein Spaß, sondern Kunst. Darum gehört sie nicht nach unten in die Einkaufstasche, denn da könnte sie einen Knick bekommen.

Dill-Anthologie

Ich finde, KEIN Lebensmittel sollte Spaß sein. Denn alle Dinge, die wir essen sind Organismen, aus denen wir später bestehen. Jedes Lebensmittel hat irgendjemand angesät, gepflegt, gefüttert, ausgebuddelt oder gepflückt. So manches wurde auch gerupft, gedüngt oder mit einer Wurmkur verwöhnt. Ob das ein Spaß ist?

Carlo Petrini, der Gründer von Slowfood, hat dazu etwas sehr Schönes gesagt: „Ich stelle mir gerne die Hände desjenigen vor, der das geerntet hat, was ich esse.“ Und so schaue ich auf meinen Teller mit Achtsamkeit.

Zum Thema ein hochkomplexes Rezept, das bei diesem Gedanken hilft:

Oliven und Zitrone

Gib einen Spritzer Zitrone an Deine acht Oliven und iss sie eine nach der anderen. Lutsch noch ein bisschen auf dem Kern rum. Oliven sind kein Spaß.

2 Gedanken zu „WURST IST KEIN SPASS – über Achtsamkeit beim Essen“

  1. Zum Träumen schön. Ich bin zu blöd, um sicher zu sein, dass der Mann in deinem Bett Schweizer oder Österreicher ist, aber ich weiß ganz sicher, dass ihr euch hervordrangend ergänzt und jetzt alles von dir, Luka, sogar noch mit Sahne garniert wird. Die es freilich nicht bräuchte 😉

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